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Wir, die "Norddeutschen
Realisten" 20 Jahre Pleinair- Projekte Bei
unserer ersten Malaktion im Hamburger Hafen vor 15 Jahren, wurde uns vom Eröffnungsredner
überraschend der Name „Norddeutsche Realisten“ gegeben, unter dem wir bis
heute gemeinsam arbeiten. 20
Jahre gemeinsame Gruppenprojekte sind schon für sich genommen ein Rekord.
Dieses mag daran liegen, dass wir bewusst auf eine dogmatische Festlegung verzichten.
Gemeinsam ist uns die
Landschaftsmalerei und das Bezugnehmen auf das sichtbare Gegenüber, sie ist oft
Zeuge lebendigen Geschehens. Unsere
Gruppe ist so lebendig wie eh und je. Da die Künstler und Künstlerinnen aus
dem Kreis der NORDDEUTSCHEN REALISTEN die meiste Zeit des Jahres eigenen
Vorhaben nachgehen, gibt es die Gruppe eigentlich erst und nur, wenn in einem
Projekt zusammen gearbeitet wird. Der
Ablauf gestaltet sich aber jedes Mal sehr unterschiedlich, geprägt vom Ort und
dessen spezifischen Eigenheiten, der Jahreszeit, dem Wetter, und natürlich
durch die jeweils beteiligten Künstler. Fast
alle Pleinair- Projekte sind auf die gleiche Art angelegt. Entweder findet
sich ein Ausrichter für eigene Wunschvorhaben oder dieser trägt sein
Projekt an die Gruppe heran. Er muss für Unterkunft
und Verpflegung sorgen , sowie die Ausstellung der entstandenen Arbeiten
nahe am Entstehungsort organisieren.
Zahlreiche Kataloge sind dabei entstanden. Ihre "Norddeutschen Realisten" Die Norddeutschen Realisten- eine neue Position in der Nachmoderne von Jens-Peter
Kjaersgaard Die Norddeutschen
Realisten sind eine wirklich erstaunliche Erscheinung in der nachmodernen
Kunstszene. Wir Skandinavier müssen ja immer ganz modern sein, anders geht es
bei uns nicht. Um 1900 wechselten wir die Einflüsse und die Vorbilder.
Frankreich trat die Nachfolge Deutschlands an, später auch Holland und die USA.
Wir sind der Weltkunst verbunden. Im Prinzip ging es in
Deutschland nicht so anders, aber dort gab es immerhin auch ganz eigene starke
Kräfte und immer wieder Gegenreaktionen, von der Kunst im Dritten Reich ist
abzusehen. Solche Gegenpositionen fehlen bei uns. Die Norddeutschen
Realisten, die - noch ohne Namen – 1989 ihr erstes Gruppenprojekt bei Fulda in
der Rhön durchführten, wobei sie vierzehn Tage lang von morgens bis abends das
Dorf Kleinsassen malten und zeichneten und die Ergebnisse dann in der
Kunststation Kleinsassen, also am Ort ihrer Arbeit, mit großem Erfolg zeigten,
stellten sich damals gegen alles, was „modernen Künstlern“ und Kunstpäpsten
heilig war. Dort fanden und
erprobten sie das Prinzip, nach dem sie noch heute arbeiten, das gemeinsame
malen nach Sicht, also Pleinair. Ihre Ausstellung zum
15-jährigen Bestehen der Gruppe, die unter anderem in der Kunsthalle Gießen
gezeigt wurde, trug den bezeichnenden und wohl auch programmatischen Titel
„Weltanschauung“. Auf meine Frage wie
man so lange und so konsequent durchhalten könne, antwortete der Initiator Störtenbecker:
„ Aus Lust“. Als wir dann die verschiedenen Projekte, weit über zwanzig
inzwischen, durchgingen, den Flensburger Hafen, die Gorch-Fock ( ein Jahr lang
etappenweise von Kiel bis Lissabon, von Rostock nach Venedig ) die Landschaft
Schwansen und viele weitere
Projektthemen, da sprudelten die lebendigen Erinnerungen. Ganz klar, diese Künstlerinnen
und Künstler sind Begeisterte, sind von ihrer Sache durchdrungen. Da in der Kunstszene
unserer Tage eigentlich überhaupt nichts klar ist, fällt die Entschlossenheit
und Zielstrebigkeit dieser Künstlergruppe angenehm auf. Die Kunsttheorien
liegen doch allesamt am Boden, Überzeugungen sind weggebrochen und mitten in
diesem Sinn-Vakuum praktizieren die Norddeutschen Realisten
„Welt-Anschauung“! Sie gucken sich die Dinge an und malen sie. Kompliment! – Das
ist eine blitzgescheite Antwort auf diese Zeit und die übrige Gegenwartskunst,
auch wenn die Antwort angeblich (kleine Zweifel meinerseits ) nur als Lust
gewissermaßen aus dem Bauch gekommen sein soll. Diese Künstlerinnen
und Künstler haben relativ viele gemeinsame Überzeugungen, z.B. die, dass
Bilder von der Erscheinungsform ausgehend gemalt werden sollen, nach Sicht
sowieso. Am Anfang steht immer die erlebte Umwelt als optisches Angebot. Daraus
könnte schnell routinierte Pflichtübung werden, wäre da nicht offensichtlich
die feste Überzeugung, dass im Realen ein Geheimnis stecke, das mit seiner
Darstellung sichtbar gemacht werden könne. Ebenso überzeugt sein dürfen sie
vom Wunder des Sehens und davon, dass das Auge ein Entdecker ist. Damit
verbindet sich eine Wertschätzung der uns umgebenen Dinge, Wesen, Szenerien,
ein Abschmecken von Anblicken, die entweder zur Verweigerung oder zu ästhetisch
richtungsweisendem „Material“ führt, aus dem heraus Kunst geschaffen werden
kann. Und so erkläre ich mir auch, wie hart und dauerhaft die Künstler an
ihrer Sache arbeiten. Nach nunmehr 17 Jahren
(inzwischen sind es 20 Jahre - Anm.) gemeinsamer Projektarbeit ist
erstaunlicherweise kein Gruppen-Stil entstanden, sondern haben sich die
Einzelprofile , eher noch geschärft, obwohl sie alle beteuern, viel voneinander
gelernt zu haben. Ich sehe das mit ungläubiger Freude. Natürlich verpassten
die Norddeutschen Realisten in diesen 17 Jahren sämtliche Trends und schnelle
Moden. Was sie betreiben, ist wirklich harte Arbeit, vor allem an sich selbst.
Sowas kann man nicht auf Anhieb. Hier ist ein Fundus gewachsen. Aus ihrer einstmaligen
Außenseiter-Position haben sie sich längst befreit. Sie stehen jetzt in klarer
Gegenposition zur Hip- und Szenekunst, wie sie derzeit auf allen Kunstmessen zu
sehen ist. Nie würde es ihnen einfallen, eine Mode aufzubrezeln. Sie verkörpern
das Gegenteil von Trends und Moden. Sie verstehen Kunst als Kunst. Ganz nebenbei
arbeiten sie mit ihren Werken an einem Kunstbegriff, der diese Bezeichnung auch
verdient. Jedenfalls haben sie eine unverwechselbare Position im nachmodernen
Kunstschaffen erobert. Und jetzt wünsche ich
mir und den Künstlern nur noch einen Projektveranstalter in Dänemark.
eMail: info@norddeutscherealisten.de
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